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Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
wurde am 10. März 1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor
im polnisch-mährischen Grenzgebiet Oberschlesiens geboren.
Die Eichendorffs gehörten zum kleinen Landadel. Die Lebensweise
dieser recht bodenständigen Gesellschaftsschicht beschrieb
Eichendorff in seinen fragmentarisch gebliebenen Memoiren:
Die Glücklichen hausten mit genügsamem Behagen größenteils
in ganz unansehnlichen Häusern (unvermeidlich »Schlösser«
geheißen), die selbst in der reizendsten Gegend nicht etwa
nach ästhetischem Bedürfnis schöner Fernsichten angelegt
waren, sondern um aus allen Fenstern Ställe und Scheunen bequem
überschauen zu können. Denn ein guter Ökonom war
das Ideal der Herren, der Ruf einer »Kernwirtin« der
Stolz der Dame. |
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Sie hatten weder Zeit noch Sinn für die
Schönheit der Natur, sie waren selbst noch Naturprodukte.
In solcher Umgebung wuchs Eichendorff zusammen mit seinem zwei Jahre
älteren Bruder Wilhelm und der sechzehn Jahre jüngeren
Schwester Luise Antonie- die spätere Freundin Adalbert Stifters
- in relativer Freizügigkeit auf. Der Vater, der Güter
bis nach Mähren hinein besessen hatte, war allerdings, ganz
im Gegensatz zum Idealbild, alles andere als ein »guter Ökonom«;
bereits 1801 geriet das Gut in wirtschaftliche Schwierigkeiten,
die von Jahr zu Jahr, trotz aller Anstrengungen, zunahmen. Der Tod
der Mutter 1822 - der Vater war bereits 1818 gestorben - markierte
schließlich den endgültigen Verlust aller Güter
in Schlesien. Ab 1801 besuchte das Brüderpaar insgesamt drei
Jahre lang das katholische Gymnasium in Breslau, anschließend
verbrachten sie ein weiteres Jahr als Hospitanten an der Universität.
Das Jurastudium nahmen sie im Frühjahr 1805 in Halle auf, 1807
dann Heidelberg. Hier besuchte Eichendorff das Kolleg von Joseph
Görres, er lernte Loeben kennen und den Umkreis der beiden
wichtigsten Vertreter der Heidelberger Romantik, Clemens Brentano
und Achim von Arnim.
1810 reisten sie daher nach Wien, um sich auf das
Referendarexamen vorzubereiten, das sie 1812 ablegten. In diese
Zeit fiel die enge Freundschaft mit Friedrich und Dorothea Schlegel
und die Konzeption des Romans Ahnung und Gegenwart, der von Dorothea
durchgesehen und korrigiert wurde; wie groß ihr Einfluß
auf die endgültige Gestalt war, läßt sich heute
nicht mehr feststellen – die Handschriften sind verlorengegangen.
Die Lebenswege der Brüder trennten sich nun. Wilhelm beschritt
die Verwaltungslaufbahn in Österreich, Joseph tauchte –
von 1813 bis Anfang 1816 – in den Befreiungskriegen unter.
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Für Eichendorff begannen Jahre der schlecht bezahlten Beamtentätigkeit
im preußischen Staat, die kaum hinreichte, die schnell wachsende
Familie zu ernähren: bis 1820 war er Referendar in Breslau, dann
– von 1820 bis 1823 – Regierungsrat in Danzig, von 1824
bis 1830 Regierungsrat und Oberpräsidialrat in Königsberg,
schließlich – bis 1844, als er aus gesundheitlichen Gründen
in den Ruhestand versetzt wurde – war er am Kultusministerium
in Berlin tätig.
In dieser Zeit entstanden die meisten der Erzählungen: 1819 Das
Marmorbild, 1826 Aus dem Leben eines Taugenichts, 1832 Viel Lärmen
um nichts, 1834 Auch ich war in Arkadien sowie Dichter und ihre Gesellen,
1835/36 Eine Meerfahrt, 1837 Das Schloß Dürande –
im selben Jahr auch die erste Gesamtausgabe der Gedichte, 1841 Die
Glücksritter, 1849 schließlich Libertas und ihre Freier.
1855 zog er zu seiner Tochter nach Neiße in Oberschlesien, bald
darauf starb seine Frau – für ihn ein erster Wink des Schicksals.
Am 26. November 1857 starb Joseph von Eichendorff im Alter von 69
Jahren, hinweggerafft von einer kleinen Erkältung. |